Was zeichnet HIV und Aids im Jahr 2010 aus? Mit dieser Frage beschäftigen sich hier von Juli bis November 2010 verschiedene Autoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Lebenssituationen heraus. Wir schlagen damit einen thematischen Bogen rund um »Stimmen in der Stadt«.

Was bloß ist Aids?

Der Journalist Jan Feddersen lebt in Berlin und Hamburg und ist Redakteur bei der Tageszeitung TAZ in Berlin. Er schreibt über sexualpolitische Fragen ebenso wie zur Kritik der Queer Theory und hat mehrere Bücher publiziert, u. a. zum Hippiefestival in Woodstock wie zum Eurovision Song Contest. Als Diskussionsbeitrag für unsere Rubrik »Das neue Aids« hat er die folgenden »Fünfzehn Mutmaßungen über eine Viruserkrankung« verfasst.

  1. Aids hat die global einflussreichste und erfolgreichste Selbsthilfebewegung im Gesundheitsbereich ins Leben gerufen. Es waren schwule Männer, die die Aufmerksamkeit auf diese neue Infektionskrankheit zogen, notgedrungen. Denn sie waren überwiegend von ihr selbst betroffen. Aids hat schwule Männer als gesundheitspolitische Avantgarde profiliert; dass Aids auf dem afrikanischen Kontinent oder in Osteuropa grassiert wie eh und je, liegt auch daran, dass es dort eine vorwiegend heterosexuelle Infektionskrankheit ist. Da aber das Reden über Sexuelles, also über die Übertragungswege Voraussetzung für den Selbstschutz ist, da das Sprechen über diese Vorsicht in den osteuropäischen Ländern wie in Afrika nur schwer möglich ist, bleibt Aids in der dortigen Wahrnehmung eine üble Epidemie – und nichts weiter.  » mehr

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